Mittwoch, 17. Mai 2017

Von Tehachapi nach Ridgecrest (566 - 616)

Nachdem Tehachapi sehr anstrengend ist und weite Wege hat, sind wir nicht unbedingt erholt, als wir wieder auf den Trail gehen. Die letzten beiden Tage waren mit Wäsche waschen, Lebensmittel einkaufen, Wegen zum mehrere Kilometer entfernten Post Office und Schuhe einkaufen vollends ausgefüllt.
Nach nur 5 Wochen löchrig und abgelaufen - es wird Zeit für neue Schuhe!


Zuerst gönnen wir uns noch einen Kaffee und ein kleines Frühstück im Burger King. Danach gehen wir zwei Schritte weiter um den Bus zurück an den Highway zu erwischen. Von dort geht der Trail weiter. Wir sind etwas übermüdet, da nachts die Züge enorm laut waren. Dementsprechend sind wir etwas demotiviert und heilfroh nach einem längeren Anstieg die 17 Meilen bis zum Zeltplatz und Wasser hinter uns gebracht zu haben. Das Wetter ist unangenehm und der Wind ist arschkalt. Dennoch sieht dieser Teil des Trails fast wie das Allgäu aus.
Waldgebiet 1

Waldgebiet 2

Am Zeltplatz probiert Sebastian aus Brot auf dem Gaskocher zu backen. Obwohl es etwas umständlich ist, funktioniert es gut.

Vor dem Braten 
Fertiges Brot wird eingetütet. 
Am nächsten Tag bin ich etwas unleidlich und fühle mich als ob ich gleich krank werde. Das gibt sich zwar über den Tag, aber meine Füße fangen an zu schmerzen. Ich habe es wohl geschafft mir meine Füße aufzureiben.  Na, klasse.
Mein Fuß 

Ich klebe für den nächsten Tag meine Fußsohlen ab, dennoch merke ich wie empfindlich meine Sohlen sind.
Es ist an diesem Morgen extrem kalt und wir frieren. Gegen 9 Uhr fängt es an zu schneien. So fühlt es sich wohl an, wenn die Hölle gefriert.

Weiße Punkte sind Schneeflocken. 

Und nach 16 Meilen entschließen sich meine Füße, dass wir bei der ersten Straße Richtung Ridgecrest abgehen. Die Pflaster halten nicht richtig an dieser Stelle und sie schmerzen doch sehr stark. Mit etwas Wehmut laufen wir die Straße Richtung Highway, denn direkt an diesen Punkt wieder zurück zu kommen ist schwierig. Die Straße ist ca. 20 Meilen lang und wenig befahrene. Doch nach einer halben Stunde werden wir glücklicherweise aufgesammelt und nach Ridgecrest gefahren. Beerbucket Bobby heißt unser Engel - er war auf dem Weg, einen Wassercache am Trail mit Bier,  Soda und frischem Obst aufzufüllen. Spontan bietet er uns an, uns in ein paar Tagen wieder zurück an diese Stelle zu bringen. Also müssen wir nichts überspringen, sondern planen unsere Etappen anders. Wir planen die 35 Meilen bei der Etappe zu Kennedy Meadow mit ein.  Zudem planen wir die Etappe nach Independence. Dafür kaufen wir dann alles im nahe gelegenen Walmart ein.  Es ist ein 100$ Einkauf. Für insgesamt zwei Wochen wandern.

Großeinkauf!

Im Motel sind unsere Bärenkanister angekommen. Diese müssen wir zwischen Kennedy Meadows und Sierra City mit uns tragen. In dieser Gegend gibt es viele Bären und deswegen muss das Essen bärensicher aufbewahrt werden. Hintergrund ist, dass ein paar Bären realisiert haben, dass Wanderer Essen dabei haben und nach dem Winterschlaf haben Bären und Wanderer das selbe Ziel: Essen. Um einem Interessenskonflikt vorzubeugen ist das hier Pflicht.
Die Behälter sind zu meinem Leidwesen nicht nur bärensicher sondern auch Hölzle-sicher.
Bärenkanister ist vollgefüllt mit Essen. 

Wegen den Füßen verbringe ich die meiste Zeit im Bett und kümmer mich um die Planung, Obst schnippeln und um diesen Blog. Nicht laufen zu können ist anstrengend, da man nichts anderes davor gemacht hat und es fehlt mir. Zudem fühle ich mich sehr nutzlos.
Stefanie

Freitag, 12. Mai 2017

Meile 454 bis 566

Agua Dulce nach Tehachapi

In Hiker Heaven frühstücken wir erst mal unsere restlichen Jalapeno Semmeln und können sogar noch etwas Kaffee abgreifen. Der weitere Weg führt lange Zeit an der Strasse entlang. Wir schleppen viel Essen und Wasser mit, und ich merke deutlich, dass ich trotz der vielen Pizza die letzten Abende recht viel abgenommen habe. Der Hüftgurt meines Rucksacks schlabbert arg und das ganze Gewicht liegt auf den Schultern, sodass es mir einen Nerv abdrückt und der linke Arm bis in die Fingerspitzen schmerzt. Bei der nächsten Gelegenheit brauche ich einen neuen Rucksack!

Wir machen 20 Meilen und gönnen uns ein luxuriöses Knorr-Gericht, das wir mit getrocknetem Hackfleisch aus einer Hikerbox verfeinern. Was die anderen Hiker so an Essen zurück lassen, wundert mich immer wieder.

Am nächsten Morgen wachen wir mit Regen und Nebel auf. Es ist bitterkalt und wir steigen einige Meilen zu einer überdachten Rest Area ab. Hier treffen wir den Marlborough Man mit seinen beiden Pferden wieder, der gerade aufbrechen will. Leider ist es auch hier nicht wärmer, und nachdem wir unsere Hände kaum noch bewegen können und es immer nässer wird, beschließen wir, uns erst mal bei dem nächsten Trail Angel aufzuwärmen.

Das "Casa de Luna" von Terie Anderson liegt nur 2 Meilen die Straße runter. Nach einer Meile bergab sammelt uns eine Helferin von Terie auf und liefert uns direkt vor der Haustür ab. Unter einem Pavillon im vollgestellten Vorgarten sitzen schon viele andere Hiker und gucken betröpfelt. Terie begrüßt uns mit einer Umarmung - wohl ihr Markenzeichen - und bittet uns erst mal herein, als die merkt, wie durchgefroren wir sind. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so schnell so unterkühlt gewesen zu sein - der Gewichtsverlust macht sich deutlich bemerkbar.

Wir werden mit Kaffee, Pancakes und Heizdecke aufgepäppelt und müssen uns dann wieder nach draußen zu den anderen gesellen. Der Ort ist eine ziemliche Hippie-Absteige, und die selbstgedrehten Zigaretten der anderen Hiker enthalten wohl nicht nur Tabak. Das Wetter bleibt weiterhin schlecht, und da wir eh etwas arg früh dran sind, beschließen wir, heute hier zu bleiben. Gegen Mittag frieren wir immer noch und der Qualm im Pavillion geht mir etwas auf die Nerven. Wir siedeln deshalb in ein nahegelegenen Café um. Nach Burger und heißer Schokolade geht es uns weitaus besser.

Campen bei Hippies im Wald

Gegen Abend serviert Terie ihren berühmten Taco-Salat, von dem wir schon viel gehört haben und auf den ich sehr gespannt war. Das Ganze ist eine Art Buffet, bei der sich jeder die Zutaten nacheinander aufschichtet. Die unterste Lage bilden Tortillachips, gefolgt  von warmen Bohnen. Danach kommt Käsesoße, Sourcream, Reibekäse, Kraut, pürierte Tomaten, Zwiebeln, Oliven, Jalapenos und scharfe Soße. Schmeckt so wie es klingt, wir holen uns beide natürlich noch Nachschlag.


Pünktlich zum Abendessen treffen wir ein deutsches Pärchen wieder, mit dem wir auch gestartet sind. Gemeinsam ziehen wir an nächsten Morgen nach Pancakes und Kaffee weiter. Zuvor schaffe ich es noch, mir online einen neuen Rucksack zu unserem nächsten Etappenziel Tehachapi zu bestellen.
Unsere Gastgeber machen noch ein Abschiedsfoto von allen, und Terie hat eine ganz eigene Methode, die Leute zum lachen zu bringen. Sagen wir so, wir wissen jetzt den Grund, wieso es Casa de Luna heißt...

Zum Glück ist es nach dem Regen schön kühl und wir müssen uns erst mal wenig Sorgen um Wasser machen. Trotzdem steht vor Tehachapi eine lange wasserlose Strecke an. Um diese so zu splitten, dass wir möglichst wenig mittragen müssen, beschließen wir tags darauf, 24 Meilen bis Hikertown zu laufen, obwohl wir von diesem Ort eher Negatives gehört haben. Dort angekommen, stellt sich das Ganze als eine ehemalige alte, heruntergekommene Westernkulisse heraus. Der ebenso alte Besitzer kassiert $ 20 und wir dürfen dafür in einem alten Wohnwagen nächtigen. Wir sind froh, dass wir das Zelt nicht aufbauen müssen, da es sehr windig ist. Der Wohnwagen ist allerdings extrem dreckig. Wir  wählen das Bett, dessen Laken weniger Blutflecken hat und breiten unsere Schlafsäcke aus.

Das andere Pärchen fährt noch zum nahegelegenen Laden zum Abendessen und bringt uns noch ein paar Snickers und Chips als Wegzehrung für die nächsten Tage mit. Die nächste Etappe geht über 17 wasserlose Meilen am LA Aquädukt entlang,  eine Strecke, die aufgrund der Hitze oft nachts bewältigt wird. Da es jedoch nicht so warm werden soll, beschließen wir unseren Rhythmus nicht zu ändern und laufen wie gewohnt am nächsten Morgen um 6 los.


Gegen Mittag haben wir wieder Wasser, und da wir so schnell voran gekommen sind, beschließen wir einen neuen persönlichen Rekord aufzustellen - ein 27 Meilen Tag, also 43 km. Damit erreichen wir die letzte Wasserquelle vor Tehachapi und haben am nächsten Tag nur noch 21 Meilen zur Zivilisation. Leider ist der Zeltplatz extrem windig, sodass uns der Kocher beim Abendessen mehrmals ausgeblasen wird. Bis der Wind gegen Mitternacht abflaut, liegen wir schlaflos im Zelt und hoffen, dass die Stangen nicht brechen.

Morgen am LA Aquädukt. Kurz danach verläuft das Wasser leider in einer Pipeline.



Wir haben erst mal genug von Windturbinen

Entsprechend müde schleppen wir uns am nächsten Tag weiter, vorbei an endlos vielen Windturbinen. Vormittags treffen wir noch auf eine nette Überraschung: Freundliche Leute haben  einen Wassercache mit Campingstühlen und Kühlbox eingerichtet und wohl erst tags davor frisch aufgefüllt. Wir bekommen ein gekühltes Getränk und sogar einen Apfel!



Auf dem Weg mache ich mir etwas Sorgen, da wir den ersten Bus in die Stadt knapp verpassen und mindestens 2 h auf den nächsten warten müssten. Am Highway angekommen, frage ich deshalb kurzerhand einen Pickup-Fahrer, ob er uns nicht mitnehmen könnte. Kann er, und somit sind wir ganz ohne Wartezeit auf dem Weg in die Stadt. Der Fahrer hat noch nichts vom PCT gehört und ist sichtlich beeindruckt. Er schenkt uns eine Tüte mit frischen Pfirsichen und fährt uns bis ins Stadtzentrum, obwohl er selbst noch einige hundert Meilen weiter muss.

Wir kaufen noch einige Lebensmittel ein und machen uns auf den Weg zu dem kleinen Sportflughafen des Ortes, bei dem man günstig zelten kann. Erstaunlicherweise sind wir die einzigen Hiker dort, obwohl der Platz recht gemütlich und windgeschützt ist. Liegt wohl zumit daran, dass abends um 8 die Rasensprenger angehen. Leider verläuft auch die Bahnstrecke daneben, und im Gegensatz zu Deutschland besteht der Bahnverkehr in den USA hauptsächlich aus endlosen Güterzügen, die bevorzugt nachts fahren. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn nicht jeder Zug bei der Durchfahrt mehrmals laut pfeifen würde... Na ja, man gewöhnt sich an alles.


Flughafencamping

Tags darauf haben wir volles Programm: Wäsche waschen, ich hole meinen Rucksack von der Post (die erstaunlich weit entfernt ist und jenseits des Highways liegt), und mittags sind wir mit dem anderen Pärchen beim All you can eat Chinesen verabredet. Irgendwann legt dieser uns die Rechnung hin und räumt die Teller nicht mehr ab, vier hungrige Hiker sind wohl etwas nicht so gut fürs Geschäft.

Der Nachmittag vergeht mit Vorräte  besorgen und Schuhe kaufen. Meine Trailrunner fallen auseinander und wir holen uns im Hinblick auf die Sierra Stiefel, die sich im Schnee hoffentlich besser machen.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Von Wrightwood nach Agua Dulce (Meile 366 - 454)

Am ersten Tag lassen wir es ruhig angehen und laufen nur ein paar Meilen bis wir uns einen Platz suchen und versuchen, ein Überraschungspäckchen aus einer Box für Hiker zuzubereiten. Es stellt sich als getrocknetes Gemüse mit Fleischbällchen heraus. Mit den Tortillas aus Wrightwood ist das Essen schnell in uns hinein gewandert. Am nächsten Tag steht der Aufstieg auf einen bisher höchsten Gipfel an. Der Aufstieg auf den Mount Baden Powell ist enorm steil und kostet einige Kraft. Auf der normalen Route ist zuviel Schnee, so dass wir uns für einen direkteren Anstieg auf einem schneefreien Stück entscheiden. Es sind 1000 Höhenmeter (gefühlt) senkrecht nach oben. Glücklich sind wir auf dem Gipfel nachdem wir es bis dorthin schaffen.


Ausblick vom Mnt. Baden Powell

Die Nacht ist sehr unruhig, da viel Wind weht und zum Schlafen kommen wir in dieser Nacht nur schwer.

Übermüdet gehen wir weiter unseren Weg. Um eine Artenschutz-Zone müssen wir einen Umweg nehmen, die ziemlich langweilig und an der Straße ist.  Dafür schlagen wir etwas später ein Stinktier in die Flucht. Wir schätzen, dass es gegen uns nicht anstinken kann. Kurz vor dem Zeltplatz glänzt Sebastian noch in einem Stabhochsprung über eine Klapperschlange. Die Schlange hatte diese Aktion gar nicht gestört, aber als ich ankomme, klappert sie gleich los. Ich fühle mich diskriminiert! 

Wir sind jetzt schon 25 Tage auf Wanderschaft und heute merken wir die Wüste. Es ist extrem staubig, heiss und es gibt wenig Wasser. Dafür ist der Weg recht flach und bereitet uns keine Probleme. 
Unser Schlafplatz ist etwas weiter vom Weg entfernt und sehr ruhig. 
Wüstenaufnahme bei Acton

Gut gestärkt aus dieser Nacht wachen wir früh auf und packen in Rekordzeit zusammen. Wir sind froh früh los zu sein, denn der Tag ist enorm heiß. Es brennt mit 40° Grad auf uns runter. Kurz vor Acton entschließen wir uns doch, die Nacht auf diesem Campingplatz zu verbringen. Dafür spricht Schatten, der  Pool und der kleine zugehörige Laden, der Speiseeis hat. Dagegen sprechen die nahen Schienen mit dem aktiven Zugverkehr und eine Schnellstraße.

Ausblick auf den Campingplatz

Es gibt zu viele Vögel die wie Wecker klingen und zu viele Züge, die nachts fahren. Dennoch erleichtert uns beides früh aufzustehen. So ist es weniger eine Qual aus dem Zelt zu fallen um dadurch der Mittagshitze zu entgehen. Unser Ziel ist nur 10 Meilen entfernt und heißt Hiker Heaven.
Hiker Heaven 

Ein weiterer Trailangel der Hiker aufnimmt. Ein Segen für uns! Um Agua Dulce herum ist leider nicht viel. Der Lebensmittelladen hat gesalzene Preise. Grenzt schon fast an Dreistigkeit. Naja. Morgen geht es früh weiter. Es soll morgen wieder warm werden. Um die 27° Celsius. Was leicht warm gegen die hirnbrutzelnde Hitze der letzten Tage ist.
Aber wir versuchen schnell zu sein. Ab Samstag soll es kühl mit Regen sein und mit etwas Glück hilft uns das Wetter um über die heißeste und trockenste Gegend des ganzen Weges. Vielleicht müssen wir dann nicht für 2 Tage Wasser mittragen. Nur 3 Liter reicht meinem Rücken vollkommen. 



Stefanie 

Samstag, 29. April 2017

Meile 342 bis 369

Cajon bis Wrightwood

Nach über 3 Stunden im Mc Donalds ist es am späten Nachmittag wieder kühler geworden und wir laufen noch ein paar Meilen weiter zu einem weiten Tal. Unsere Flaschen füllen wir uns am Getränkespender des Mc Donalds, allerdings nur mit Wasser und nicht mit süßer Limo wie ein paar andere Hiker.

Am nächsten Tag steht ein 500 ft Aufstieg auf dem Plan, also ca. 1500 m. Wir stehen deshalb zeitig auf, planen aber nicht mehr als 17 Meilen ein. Zur Mittagszeit haben wir allerdings schon einen Großteil geschafft - wieso also aufhören? Anstatt eines frühen Feierabends und einer kühlen Nacht auf über 8000 ft beschließen wir noch zum Hwy 2 abzusteigen und nach Wrightwood zu trampen. Ziemlich platt kommen wir kurz vor 4 an und stehen an einer erstaunlich wenig befahrenen Straße. Wir machen uns schon Sorgen, werden aber zum Glück bald von einem Ranger mitgenommen. Er lässt uns am Hardware Store raus, der als lokaler Hiker-Hub fungiert. Der ganze Ort ist extremen gastfreundlich und wir können aus einer ganzen Liste an Leuten wählen, die Wanderer aufnehmen. Ich rufe wahllos die  Nummer von Jeff an, und während ich spreche, tippt mir jemand auf die Schulter. Jeff steht lustigerweise direkt hinter uns im Laden. Er nimmt uns mit zu seinem kleinen Haus. Nach einer Dusche leihen wir uns seine Fahrräder und kaufen für den Abend ein. Wir braten uns ein paar Würstchen an seinem Herd, und es bestätigt sich wieder, dass es schwer ist, außerhalb von Deutschland gute Wurst zu bekommen. Danach sitzen wir mit Jeff im Garten am Lagerfeuer.

Den nächsten Tag lassen wir ruhig angehen und starten erst nach einigen Tassen Kaffee und einer großen Ladung Müsli in die Stadt, wo wir noch Vorräte besorgen und die aktuellen Berichte über die nächste Etappe organisieren müssen. Jeff hat leider außerhalb zu tun, deshalb müssen wir uns nachher nach einer Mitfahrgelegenheit zum Trail umschauen.

Sebastian

Donnerstag, 27. April 2017

Meile 266 bis 342

Big Bear bis Cajon

Montag Morgens frühstücken wir noch ausgiebig im Denny's. Allerdings nicht wie zunächst geplant den 1300 kcal Milkshake, da wir etwas noch Besseres entdeckt haben: Für $4 gibt es all you can eat Pancakes, das können wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Kaffee wird in amerikanischen Diners ja sowieso immer gratis nachgeschenkt, und so können wir für knapp $7 pro Nase nach Herzenslust schlemmen.

Mit dem Bus fahren wir zum Ortsausgang und versuchen, zurück zum Trailhead zu trampen. Leider ist Montags wohl kaum einer in Spendierlaune. Nach über einer Stunde, gerade als wir aufgeben wollen, hält doch noch ein älterer Herr an. Als wir ihm erzählen, dass wir schon geraume Zeit hier stehen, scherzt er: "You look a bit like serial killers!"
Eventuell sollte ich mich doch mal wieder rasieren...

Der Tag ist schön kühl und wir kommen trotz unseres späten Starts 17 Meilen weit. Am nächsten Morgen ist es dafür auch leider knapp über dem Gefrierpunkt, und wir freuen uns fast schon wieder darauf, in die heissere Wüste abzusteigen. 

Den ganzen Nachmittag folgen wir einem Reiter (wir taufen ihn Marlborough-Man) mitsamt Packpferd, der auf dem schmalen und zugewuchertem Trail auch nicht sonderlich schnell voran kommt. Ich weiss nicht recht, ob ich ihn beneiden soll: Zwar muss er nicht laufen, wird dafür permanent durch jeden tiefer hängenden Busch geschleift. Vor einer Brücke bleibt das Pferd plötzlich stehen und will nicht mehr weiter - da hat wohl jemand Höhenangst! Erst nach einigen Klapsen lässt es sich dazu überreden, vorsichtig die Brücke zu überqueren.


Nachdem wir auch an diesem Tag mit 22 Meilen mehr Strecke gemacht haben als ursprünglich geplant, rückt unser nächstes Ziel - der Mc Donalds an der Cajon Highway-Kreuzung - in greifbare Nähe. Wir beschließen, auch am nächsten Tag Gas zu geben, um Donnerstags statt Fertigtüten Fastfood zum Abendessen zu haben. 

Morgens kommen wir an einer heissen Quelle vorbei. Zwar ist dort trotz Campverbot jede Menge los, doch wir finden trotzdem ein ruhigeres Becken für uns. Im warmen Wasser sitzen und Poptarts futtern - an so ein Frühstück könnte ich mich gewöhnen! Nachmittags wird es wieder heiss und wir schleppen uns einen eher unschönen Abschnitt am Highway und mehreren Staudämmen entlang. Dafür werden wir nach einem kleinen Aufstieg mit dem Ausblick auf einen erstaunlich großen See entschädigt. Wir campen am Ufer und können sogar noch eine kleine Runde schwimmen. Sehr angenehm, sich mal wieder mit sauberen Füßen in den Schlafsack zu legen!



Donnerstag stehen wir wieder mal um 5 Uhr auf und laufen in Rekordzeit die 16 Meilen zum Mc Donalds. Pünktlich zum Mittagessen sind wir da und können uns den Bauch voll schlagen, auch wenn die Burger hier auch nicht besser sind als bei uns in Deutschland. (Dafür sind wir in den letzten vier Tagen 76 Meilen gelaufen!)



Sebastian

Montag, 24. April 2017

Big Bear Lake

Wir machen in Big Bear einen Zero Day, also ein Tag an dem wir nicht wandern. Es gibt auch den Begriff Nero. Gemeint ist, dass man wenig an diesen Tagen läuft. Dieses wenig definiert jeder für sich. Für uns sind das unter 10 Meilen.

Nach zwei Wochen ohne Pause laufen, gönnen wir uns hier einen Tag Pause. Big Bear eignet sich dazu gut. Unsere Aufgabe ist hier zu essen was geht. Da die Wandertage zu einer sichtbaren Abnahme an Körpergewicht geführt haben (innerhalb von zwei Wochen), versuchen wir diesen Effekt etwas abzuschwächen und essen möglichst viele Kalorien.
Das macht weniger Freude als man meinen möchte. Irgendwie sehnt man sich mehr nach gesundem Essen. Daher gab es für mich heute (unter anderem) einen rohen Brokkoli, der unendlich lecker war. 

Die meiste Zeit in Big Bear verbringen wir damit Essen zu kaufen, zu essen und zu verdauen. In der Nähe unseres Hotels ist einen Taco Bell, Denny's und ein kleines "Greasy Spoon" Diner namens Grizzly Manor Cafe. Letzteres war eher enttäuschend.

Denny's hat uns voll überzeugt. Diese Kette schreibt in die Karten die Kalorien hinein. Wir essen dort zu Abend und entdecken einen
Milchshake mit über 1300 kcal. Wie bekommt man so viele Kalorien in ein Getränk? Nach einem Burger bestellen wir diese Bombe nicht mehr, planen aber, vor unserer Abreise dort noch zu frühstücken. 
Um noch mehr Kalorien für die nächsten Tage zu bekommen wird das Essen mit Chips und Soda gepimpt. Soda ist eine gute Möglichkeit um möglichst viele Kalorien in den Körper zu füllen. 
Vorrat für die nächsten Tage
Taco Bell ist nicht so übel wie sein Ruf. Der Burrito erinnert mich an Lamacun. Trotz dem Schlemmen bin ich froh, wenn es morgen wieder zum Wandern geht. 

Inzwischen haben wir eine gute Essensstrategie auf dem Trail. Pop-Tarts zum Frühstück. Mittags gibt es Haferflocken mit Aroma. Am Abend Fertiggerichte. Für Zwischendurch Nüsse, Rosinen und Reese M&Ms, Riegel und Kekse.  
Zu Beginn hatten wir von vielen Super-PCT-Hiker-Essen gehört und diese auch ausprobiert, aber bei vielen stimmte die Gewicht-Kalorien Bilanz nicht. Die Tortilla Fladen, die überall als das Essen hochgelobt werden, sind einfach zu schwer. Und die Kombi Tortilla Fladen, Erdnussbutter und Süßkram drauf, ist einfach zu pervers. Instant-Kartoffelpüree ist zu teuer und hat zu wenig Kalorien. Die Knorrgerichte mit nur Nudeln haben ebenfalls zu wenig.  Was viele Kalorien hat, aber einfach widerlich ist, sind Instant Macaroni & Cheese. Tatsächlich das Gericht das es überall gibt, aber eher die Konsistenz von Kleister hat.
Mac & Cheese
Es gibt von unseren Essen nur wenige Bilder, denn nichts stellt sich zwischen uns und unser Essen. 
Stefanie 

Sonntag, 23. April 2017

Idyllwild nach Big Bear Lake (Meile 183 - Meile 266)

Direkt nach Idyllwild steigen wir 900 m zur Fuller Ridge auf. Auf dieser Höhe liegt Schnee und ist auch deutlich kühler. Um 3 Uhr ist Regen angesagt und wir fürchten, dass wir nicht mehr über die Nordseite kommen. In dieser Höhe könnte es an der Nordseite bei Regen ziemlich glatt werden. Und mit Turnschuhen ist das ein Eiertanz. Also geben wir Gas. Beim Abstieg auf der Nordseite schaffe ich es mit voller Wucht in eine Pinie zu rutschen. Ich kann leider nicht mehr rechtzeitig bremsen. Gott sei Dank ist die Pinie nicht allzu weit entfernt und so komme ich mit (nur) ein paar Schrammen und blauen Flecken davon. 




Am nächsten Tag steigen wir weiter ab. Doch je weiter es nach unten geht, desto mehr schmerzt meine Kniescheibe. Ich habe wohl vom Sturz einen Bluterguss oberhalb der Kniescheibe dieser drückt beim Abstieg. 
Somit bin ich heilfroh bis zum Watercache unter dem Highway 10 zu kommen. Dort haben hilfsbereite Menschen Wasser und Essen für die PCT-Hiker unter der Autobahnbrücke bereit gestellt. Es gibt Obst, Cracker und sogar ein kühles Corona. Gerade als wir aufbrechen wollen, kommen zwei Jungs auf Quads an. Sie bleiben unter der Brücke stehen, reagieren aber nicht auf unseren Gruß und schauen sich nur um. 
Wie wir später erfahren, haben  die beiden sämtliches Essen und das letzte Corona geplündert. Sehr schade und ziemlich traurig. Ich glaube nicht, dass nach dieser Aktion der Watercache noch gepflegt wird. Wir wandern nur noch wenige Meilen weiter bis wir einen Zeltplatz finden. 

Langer Abstieg

Watercache unter dem Highway

200 Meilen geschafft!

Am nächsten Tag geht über eine Windturbinenfarm und den ersten größeren Anstieg zu einem Fluss. In den ersten Stunden der Wanderung begegnet uns eine weitere Klapperschlange. Sie ist sehr gemütlich unterwegs und gibt anstandslos den Weg für uns frei.


In den kommenden zwei Tagen folgen wir dem Fluss und es gibt endlich mal keine Wassersorgen für uns. Teilweise ändert sich sogar die Umgebung in eine Art begrenzten Dschungel. Aber das Thermometer steigt deutlich über 30° Grad. Diese Hitze macht einen langsamer und so schlagen wir nach knappen 20 Meilen unser Zelt am Fluss auf.


Am darauffolgenden Tag geht es erstmals 1000 Höhenmeter nach oben. Dort ist es sehr angenehm und wir kommen gut voran. Am Abend kommen wir an einem Tiergehege für Film und Fernsehen vorbei. Leider ist für uns nicht viel zu sehen. Einen Bären in einem Käfig kann man erspähen, aber leider auch nicht viel mehr. Durch die vielen Gitter ist es nur schwer Tiere zu erkennen. Unsere Beine tragen uns an diesem Tag 22 Meilen weit, so dass wir am Samstag nur noch 13 Meilen bis Big Bear Lake laufen müssen, bzw. 13 Meilen bis zum Highway 18 an dem wir eine Mitfahrgelegenheit brauchen um nach Big Bear Lake zu kommen. Tatsächlich stehen wir nicht mal 5 Minuten bis uns auch schon eine freundliche junge Frau namens Jennifer mitnimmt. 

Stefanie